Agnes von Ungarn
» zurück
Königsfelden – Klarissen- und Franziskanerkloster

Geschichte

Die Klostergründung geht auf den 1. Mai 1308 zurück, als König Albrecht I. von Habsburg unterwegs von Baden nach Brugg war. Kurz vor dem Ziel wurde er von einer Gruppe Reitern gestellt und nach wenigen gewechselten Worten ermordet. Die Mörder gehörten zum Königsneffen Johann von Schwaben, den Albrecht einst um sein Erbe betrogen hatte. Die Königin Elisabeth von Görz-Tirol errichtete zum Gedenken an dieses Verbrechen an der (vielleicht nur vermuteten) Stelle der Bluttat zuerst eine Kapelle mit einem kleinen Franziskanerkonvent, weil dieser Orden sehr bekannt war für sein Totengedenken. Nur wenig später gründete sie zusätzlich ein Klarissenkloster. Die Kapelle wurde darauf ersetzt durch die heutige Klosterkirche. Diese wurde zum Familiengrab der Habsburger.

Die Tochter von Albrecht und Elisabeth, Agnes von Ungarn, bewohnte das Kloster nach dem Tod ihres Gatten im Jahr 1317. Unter ihr erhielt Königsfelden reiche Stiftungen und mauserte sich zum reichsten Kloster im ganzen Bistum Konstanz. Die Männer übernahmen vor allem die geistlichen Aufgaben, während die Frauen die Verwaltung der Klosterökonomie übernahmen. Die geografische Nähe zum habsburgischen Stammsitz auf dem Wülpelsberg und somit zur ganzen Familie Habsburg brachte das Kloster zur Blüte, die Anhängigkeit von dieser Dynastie trieb es aber auch in den Niedergang. Nach dem Tod von Agnes 1364 verloren die Ländereien in der heutigen Schweiz für die Habsburger mehr und mehr zugunsten von Österreich an Bedeutung. Die Gefallenen der Schlacht von Sempach 1386 wurden zwar noch in Königsfelden begraben, aber schon 1415 brach die Verbindung zu den grössten Förderern nach der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen ab. Königsfelden geriet unter die Herrschaft Berns. Von da an galt dieses Ordenshaus nicht mehr als bedeutende Gedenk- oder Grabstätte einer Dynastie, sondern als „Versorgungsstätte für die Töchter des Stadtadels“ (Speich/ Schläpfer).

Verweltlichung und Sittenzerfall waren die Folge. Das Kloster war bereits in Selbstauflösung, als ihm die Berner Reformation 1528 den Rest gab. Die Klostergebäude wurden fortan als bernische Landvogtei genutzt. 1804 gelangte das Kloster in den Besitz des neuen Kantons Aargau, der dort das erste aargauische Kantonsspital einrichtete. Im Jahr 1868 entschied er, diese Anstalt in eine Psychiatrische Klinik umzuwandeln. Beim Umbau zu diesem Zweck wurden praktisch alle ehemaligen Gebäude der Franziskaner abgerissen und westlich des Klosters der heutige Palast errichtet. Im 20. Jahrhundert folgte noch der Bau des modernen Hochhauses für die noch immer bestehenden Psychiatrischen Dienste des Kantons Aargau.
» zurück